Autobild-Klassik 01/2018 - Ansgar Olberding über französische Autos


Wer ist und was fährt der typische „Franzosen"-Kunde in Deutschland?Ansgar Olberding BildAutoKlassik
Oft sind es Leute, deren erstes Auto ein Renault 4 oder eine Ente war. Die fahren heute so ein Auto aus Überzeugung, aus Begeisterung. Geld und Prestige sind da völlig unwichtig. Nach R4 und 2 CV kommt lange nix, aber natürlich sind Citroen ID und DS sehr populär. Franzosen mögen übrigens lieber das ursprüngliche Modell bis 1967, der Rest von Europa bevorzugt die moderne Variante.

Ente und DS werden schon seit Längerem immer gesuchter und teurer. Ist Citroen derzeit die angesagte französische Klassiker-Marke?
Bei einigen Modellen stimmt das. Den schrägen Ami 6 wollte lange gar keiner, jetzt gibt es kaum noch gute Autos. Beim HY spielt die Food-Truck-Mode eine Rolle. Wer sich vor zehn Jahren 100 HY gekauft hat, ist heute wohlhabend. Auch die Dyane, die bei uns immer im Schatten der Ente stand, anderswo aber viel beliebter war, zieht bei Popularität und Preisen an. Andererseits bleiben GS und BX trotz großer Stückzahlen in der Nische; für die braucht' s eine echte Citroen-Macke.

Wie sieht es bei den ande­ren Marken aus? Renault, Peugeot oder Talbot?
Talbot-Fahrer waren und sind eine sparsame Kundschaft, das hält die Preise am Boden, außer vielleicht beim Rancho. Bei Renault ist die Szene klein. RS Alpine und Turbo sind zwar begehrt, aber das ist kein Massenmarkt. Da gilt wie bei der Alpine: Wer so ein Auto will, hat es meistens schon. Ein Renault Estafette ist eine schöne, bezahlbare VW-T1-Alternative, aber die Autos kennt leider keiner. Und Peugeot ist und bleibt massiv unterbewertet.

Das heißt konkret?
403 und 404 sind richtig gute, zuverlässige und dankbare Autos -wer so was mal gefahren ist, wundert sich, wie schön die fahren. Die Autos sind aber, mit Ausnahme von Cabriolet oder Coupe, selbst in Frankreich kaum gesucht. Und der 203 ist vielen Leuten einfach schon zu alt. Bei den jüngeren Typen verhält es sich ähnlich wie beim RS, da zählt nur das Besondere: Der 205 ist als GTI und Cabrio attraktiv und gefragt. Sport geht immer.

Und was wächst nach?
Sehr wenig, fürchte ich. Ab Ende der 80er wurden französische Autos verwechselbar und vor allem wegen des Preises gekauft, nicht weil sie interessant waren. Citroen Visa und Renault Espace will heute keiner, Alpine V6 und 610 sind sehr speziell. Allenfalls der Citroen XM hat eine kleine Szene. Erschwerend kommt hinzu, dass die Hersteller nichts für die Traditionspflege tun. Ein Beispiel: Zehn Jahre nach Produktionsende läuft bei PSA und Renault die Ersatzteilfertigung aus. Das war' s dann. Die meisten unserer über 60 000 Kunden kommen übrigens aus Frankreich.

Aber da gibt es doch Ausnahmen! Etwa Renault Avantime oder Citroen C6.
Mag sein, dass alle über den Avantime reden, aber hier fragt keiner deshalb nach. Der C6 hat in der Tat Potenzial, schon weil er der letzte echte Citroen ist. Man darf als Besitzer nur keine Angst vor Elektronik-Problemen haben.

Also wonach sollte man heute mit Blick auf morgen suchen?
Nach einem schönen Twingo. Das ist ein klassenloses, sympathisches Auto. Mit dem hat Renault eine neue Wagengattung eingeführt, gerade auch wegen des Designs. Der ist ein bisschen wie der R4: genial gemacht mit einfachen techni schen Lösungen.

(C) Jan-Hendrik Muche | Autobild-Klassik.de | Ausgabe 01/2018

Autobild-Klassik Ausgabe 01/2018 - Ansgar Olberding
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