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Bericht in der Motor-Klassik 04/2018 - German language

Ansgar Olberding | Motor Klassik 04/2018 - (C) Foto: FactBericht aus der Motor Klassik - Ausgabe 04/2018
Wer Teilemärkte besucht, mag denken, der Handel mit Oldtimer-Ersatzteilen sei ein romantisches Geschäft. Dass dieses jedoch nur mit straffer Organisation wirklich funktioniert, zeigt sich bei Ansgar Olberding in Vechta. Bei aller Professionalität hat ,,Der Franzose" die Bodenhaftung nicht verloren.

Einen Oldtimer will man, Ersatzteile braucht man. Deshalb existieren im Bereich des Oldtimerhandels zwei Welten. Wer ein Fahrzeug sucht, der will sich einen Traum erfüllen, dabei stellt die Suche oft einen Teil des Ziels dar - und darf daher ruhig etwas dauern. Wird ein Ersatzteil benötigt, liegen die Dinge anders. Was fehlt, muss her, und zwar sofort. Händler, die nicht liefern können, haben das Nachsehen. Ansgar Olberding, bekannt unter dem Namen seines Unternehmens als „Der Franzose", kann ein Lied davon singen: ,,Es gibt Leute, die haben seit 30 Jahren ein Auto in der Garage stehen.

Eines Tages beschließen sie, es zum Laufen zu bringen. Wenn dann ein Teil benötigt wird, erwarten sie, dass es morgen da ist." Nun gibt es natürlich für jedes Auto jede Menge Ersatzteile, wodurch sich das Geschäft eines Teileversorgers ungleich komplizierter gestaltet als das eines Fahrzeughändlers. Um wie viel unübersichtlicher mag es sein, den kompletten, im Laufe mehrerer Jahrzehnte gewachsenen Fuhrpark von Automarken einer ganzen Grande Nation zu versorgen? Olberding vollbringt dieses Kunststück bereits seit 30 Jahren.
Im Jahr 1988 gründete er einen Ersatzteilhandel und machte damit das Hobby zum Beruf, ab 1993 kümmerte er sich dann hauptberuflich um das Geschäft, und zwar mit wachsendem Erfolg. ,,Der Franzose" ist im Laufe der Jahre zu einem der weltweit erfolgreichsten Handelsbetriebe im Oldtimerbereich aufgestiegen. So werden im Lager im niedersächsischen Vechta heute über eine Million Teile bevorratet.

Idylle nur im Eingangsbereich
Häufiger angefragte Produkte sind in größerer Stückzahl vorhanden, insgesamt verteilt sich die Gesamtzahl auf rund 25 000 verschiedene Posten. Untergebracht sind diese in meterhohen Regalreihen; diese zweigen von den endlos scheinenden Gängen ab, die die drei Etagen der Lagerhalle in einem Gewerbegebiet durchziehen. Die Halle ist Teil der zwischen 2002 und 2010 in mehreren Bauabschnitten immer weiter gewachsenen Niederlassung, in deren Räumlichkeiten sich Besucher wie in einem Labyrinth fühlen. Die verschiedenen, ineinander übergehenden Hallenkomplexe beherbergen neben den Lagerflächen Werkstatt-, Büro-, Aufenthalts- und Besprechungsräume, eine Verkaufszone im Eingangsbereich sowie eine Druckerei. In dieser entstehen sechs Kataloge in drei Sprachen, geliefert wird schließlich weltweit.

Ansgar Olberding: ,,Wir haben 60 000 registrierte Kunden und versenden in mehr als 85 Länder. Jeweils etwa ein Drittel der Bestellungen kommt aus Deutschland und Frankreich, das letzte Drittel verteilt sich auf die restlichen Länder der Welt." Deshalb schreibt Olberding, trotz des Firmennamens des Französischen nur sehr bedingt mächtig, Vielsprachigkeit im Betrieb groß: Seine derzeit 30 Mitarbeiter stammen aus Deutschland, Frankreich, Italien, Schweden, Russland, dem Kongo und Mauritius und sprechen mindestens acht Sprachen fließend, was telefonische Bestellvorgänge oft erheblich vereinfacht.

Pionier im Internet
Vieles läuft beim „Franzosen" aber schon längst übers Internet. Olberding, nicht nur gelernter Kfz-Mechaniker, sondern auch Büroinformationselektroniker, erkannte anders als viele der traditioneller gepolten Konkurrenten bereits früh das Potenzial des World Wide Web und baute bereits 1996, zu einer Zeit, als man noch per Modem und via AOL oder Compuserve online ging, ein Internetportal auf. Im Laufe der Jahre wurde dieses immer weiter optimiert und ist heute auch auf Englisch und Französisch verfügbar.
Für die Abbildung von Teilen auf den Webseiten des „Franzosen" werden im Haus 360-Grad-Fotos angefertigt, ein Aufwand, der sich auszahlt, da die aussagekräftigeren Bilder Fragen oft bereits im Vorfeld klären. Im Gegensatz zu Bestellungen per Katalog erfolgen telefonische oder via Internet aufgegebene Orders übrigens gezielter. Ansgar Olberding: ,,Wer anhand unserer Kataloge bestellt, entdeckt oft noch etwas, was er zusätzlich benötigt oder gerne hätte."
Die Sortierung der Teile im Lager ist „chaotisch", ein Begriff, der hier allerdings nicht für ein planloses Durcheinander steht. Vielmehr handelt es sich dabei um einen Fachterminus aus der Logistik; er steht für eine Lagerhaltung, die sich nicht nach natürlichen Kriterien wie Marke, Preis oder Größe richtet, sondern danach, welche Teile am häufigsten geordert werden. Diese sind möglichst nahe der Verpackungsstrecke untergebracht, die am seltensten benötigten Teile folgerichtig in den hintersten Ecken der Dachetage. Das spart beim zusammensuchen von Bestellungen viel Zeit.
Das Arbeitsklima beim „Franzosen" wirkt zwar nicht hektisch, doch es herrscht stets eine konzentrierte Betriebsamkeit vor. Angesichts des Bestellvolumens kein Wunder. Ansgar Olberding: ,,Wir bekommen jeden Tag 300 bis 500 Mails, sechs Mitarbeiter sind ausschließlich dazu da, telefonisch Bestellungen aufzunehmen. Wir verschicken jeden Tag zwischen 220 und 350 Pakete, die meist mehrere Teile enthalten. Das bedeutet, dass über 2500 Positionen im Lager gepickt und dann verpackt und versendet werden müssen." Durch ein ausgeklügeltes Kommissionierungssystem, das papierlos und mit Funkscannern arbeitet, können in Spitzenzeiten bis zu neun Aufträge gleichzeitig bearbeitet werden.

Aufwendige Nachschubsicherung
Angesichts des hohen Teiledurchflusses muss natürlich auch der Nachschub gesichert werden - und das nimmt viel Zeit in Anspruch. Allerdings hat die aktive Suche nach Teilequellen heute einen im Vergleich zu früher erheblich geringeren Stellenwert. "Der Franzose" ist in der Branche mittlerweile ein Begriff, deshalb kommen entsprechende Angebote häufig unaufgefordert, zum Beispiel dann, wenn irgendwo in Frankreich ein großes Lager aufgelöst wird.

Allerdings, so Olberding: ,,Die Franzosen arbeiten hier anders als die Deutschen. Oft ist überhaupt nicht erfasst, was und wie viel an Teilen im Lager vorhanden ist. Uns bleibt dann nur, hinzufahren, die Sache vor Ort zu besichtigen und auf dieser Grundlage zu verhandeln". Was dann in Vechta ankommt, muss gesichtet, gegebenenfalls geprüft und instand gesetzt sowie im Lager einsortiert werden. Zugleich ist es wichtig, die Teile zu erfassen und die entsprechenden Daten auf den hauseigenen Servern zu speichern, ohne die die Geschäfte in Vechta gar nicht funktionieren würden.
Hier laufen mehr als 30 Rechner rund um die Uhr, wobei Olberding ausschließlich auf eine hauseigene Infrastruktur setzt; Cloud-Systemen gegenüber, also der Anmietung von Rechnerkapazität bei externen Anbietern, ist er skeptisch eingestellt. Alle Informationen werden für den Fall von Datenverlusten permanent mit Back-up-Systemen synchronisiert. Erst unlängst wurden nochmals mehr als 100 000 Euro in zusätzliche Server und noch mehr Datensicherheit investiert. Für den Fall von Stromausfällen sind eigene Notstromaggregate vorhanden.
Zu den logistischen und organisatorischen Herausforderungen kommt die Bürokratie. Aufgrund der grenzüberschreitenden Geschäftstätigkeit hat das Unternehmen mehrere ausländische Umsatzsteuernummern und muss Rechnungen zu unterschiedlichen Steuersätzen ausstellen. Auch landestypische Besonderheiten, etwa Einfuhrbestimmungen und Meldepflichten beim innereuropäischen Warenverkehr betreffend, sind zu berücksichtigen. Und da hier natürlich keine Regelung ewig gilt, muss ständig etwas dazugelernt werden.

Trotz EU verwirrende Bürokratie
Bei aller Professionalität ist „Der Franzose" aber nie Gefahr gelaufen, sich zu einem seelenlosen Internetversender zu entwickeln. Das ist vor Ort in Vechta deutlich zu spüren. So parken auf dem Firmenparkplatz regelmäßig Old- und Youngtimer der Mitarbeiter, und auch der Chef ist meist in einem Klassiker aus seiner kleinen Sammlung unterwegs. Tatsächlich kann er sein Hobby heute sogar noch besser ausleben als früher. So unternimmt Olberding mit Klassikern regelmäßig auch große Touren. Erst 2016 wagte er sich mit einem 2CV4 auf eine Nordlandreise, die über den Polarkreis bis auf die Lofoten führte. Angst, bei einer eventuellen Panne allzu lange auf Ersatzteile warten zu müssen, muss er ja zum Glück nicht haben. Er weiß schließlich, wo die Teile liegen und wer im Fall der Fälle für eine schnelle Lieferung zuständig wäre.

(C) Motor Klassik 04/2018 | TEXT Klaus Finkenburg // FOTOS Fact
Das Team - Lager - Franzose (C) Motor Klassik 04/2018 Foto: Fact

(C) Motor Klassik 04/2018 | TEXT Klaus Finkenburg // FOTOS Fact

(C) Motor Klassik 04/2018 | TEXT Klaus Finkenburg // FOTOS Fact

(C) Motor Klassik 04/2018 | TEXT Klaus Finkenburg // FOTOS Fact

(C) Motor Klassik 04/2018 | TEXT Klaus Finkenburg // FOTOS Fact